Die Rheinanlagen in Boppard am 31. Dezember 2020


Das Ende der alten Rheinanlagen und von Bäumen, die lange wachsen mussten
26. November 2020

In den Rheinanlagen wird gearbeitet


Offener Brief: 30 Fragen an den Bürgermeister

 

Dr. Rainer Lahme  

  Boppard, 21.11.20


 

 

                  Herrn Bürgermeister                                                                                                                

Dr. Walter Bersch


                                                                                                             

Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Auf der Homepage der Stadt Boppard haben Sie am 19.11. 2020 die Bürgerinnen und Bürger über den aktuellen Sachstand in der Frage des Welterbe – Generationenparks ausführlich informiert. Dafür möchte ich Ihnen ausdrücklich danken, denn die Herstellung einer möglichst großen Transparenz dient in jedem Fall der Versachlichung der Diskussion. Ihrer Hoffnung, dass die momentan stattfindende Debatte auf diesem Weg einvernehmlich beendet werden kann, möchte ich mich gleichfalls anschließen.

 

Um diesen von Ihnen eingeleiteten Prozess zu fördern, habe ich – angeregt durch Ihre Darlegungen – noch einen Katalog von Fragen zusammengestellt, um deren Beantwortung ich Sie hiermit bitten möchte.

 

Mit freundlichen Grüßen,

 

Dr. Rainer Lahme

 

 

Anlage: 30 Fragen an den Bürgermeister

 

 

 

30 Fragen an den Bürgermeister

 

In Ihren Informationen über den Mehrgenerationenpark vom 19. November 2020 sprechen Sie davon, dass Sie damit zu einer Versachlichung der Diskussion beitragen wollen. Transparenz ist tatsächlich ein erstrebenswertes Ziel, und die Fragen an Sie sollen einen kleinen Beitrag dazu leisten, diese noch besser umsetzen zu können und den Bürgern eine auf Fakten basierende Grundlage für ihre Meinungsbildung zu verschaffen.

 

1.       Warum befasste sich der Stadtrat im März 2016 mit der Thematik des Welterbe – Generationenparks in den Rheinanlagen, wenn er dafür nach Ihren späteren Aussagen und denjenigen des Ortsvorstehers gar nicht zuständig war?

2.        Welche Beschlüsse fasste der Stadtrat genau?

3.       Wurde ein Skaterpark, wie von der Presse berichtet, aber im Protokoll nicht vermerkt, tatsächlich in die Planungen aufgenommen?

4.       Warum wurde das am 5. Februar 2016 bei der LAG Mittelrhein eingereichte Projekt zum Welterbe-Generationenpark  von der Stadt Boppard eingebracht und nicht vom Ortsbeirat Boppard?

5.       Warum war in der Projektbeschreibung nicht vom Ausbau, der Gestaltung und Pflege (Hauptsatzung der Stadt Boppard, §2, Absatz 4) eines Kinderspielplatzes die Rede, sondern von einem übergreifenden Gesamtprojekt der Stadt Boppard zur Neugestaltung der Rheinanlagen durch einen Welterbe - Mehrgenerationenpark?

6.       Warum wurde in dem Antrag ausdrücklich die „Stadt Boppard“ als Trägerin und Ideengeberin der Maßnahme herausgestellt?

7.       Warum ist in dem Antrag von einem „Parkkonzept“ die Rede, und nicht von der Gestaltung des Ortsbildes und eines Kinderspielplatzes, was im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel in den Entscheidungsbereich des Ortsbeirates fallen würde?                      

8.       Warum wurde in dem Antrag der historische Baumbestand besonders hervorgehoben?

9.       Warum erhielt das Projekt im ersten Anlauf nicht die volle Förderungssumme durch die LAG –  Mitglieder zugesprochen?

10.   Warum erscheint das Projekt im Entwurf für den Haushaltsplan der Stadt Boppard 2021 unter der Rubrik Kinderspielplatz?

 

 

 

 

Erst in der LAG - Sitzung vom 8.Mai 2019 erhielt das Projekt die volle Fördersumme, allerdings unter der ausdrücklich festgeschriebenen Bedingung, dass keine Veränderungen am ursprünglichen Projektantrag zulässig seien.

11.   Wie sah zu diesem Zeitpunkt die Planung des Generationenparks durch die Stadt Boppard oder den Ortsbeirat Boppard aus?

12.    War der Skaterpark mit seiner Lärmschutzmauer, der Versiegelung und dem notwendigen Fällen einiger Bäume zu diesem Zeitpunkt schon in den Planungen inkludiert und wurde die LAG rechtzeitig  davon unterrichtet?

13.   Warum stiegen die Kosten des Projektes von ca. 300.000 € auf nunmehr 775.000 € an und welcher Kostenanteil entfällt auf den Skaterpark?

14.   Welche Planungselemente führten zu der gravierenden Kostensteigerung?

15.   Welche unterschiedlichen Planungsentwürfe für den Generationenpark hat es gegeben? Wann genau wurde aus dem Plan Vorentwurf der Stadt Boppard mit einer durchgehenden Wegeführung und ohne Skaterpark und Mauer die Entwurfsplanung der Stadt Boppard mit dem Skaterpark und einer unterbrochenen Wegeführung?  

16.   Wer hat diese Planveränderungen veranlasst und welche Gremien wurden darüber wann informiert?

17.    Welche Gremien haben über welche ihnen vorgelegten Pläne entschieden und beraten?

18.   Warum wurde die Bevölkerung nicht frühzeitig von den sich verändernden Planungen informiert, obwohl es sich bei der Rheinpromenade und den Georg-Francke-Anlagen um ein sensibles kulturelles Erbe der Stadt Boppard handelt?

Die nun geführte und durchaus kontroverse Diskussion hätte dann früher einsetzen können, bevor mit der Vergabe von Aufträgen einfach Fakten durch die Verwaltung geschaffen werden sollten. Bei einem solchen Thema wäre Transparenz in einem frühen Stadium der Umplanungen hilfreich gewesen.

19.       Welche Pläne über den Generationenpark lagen bei der gemeinsamen Sitzung von Ortsbeirat, Seniorenbeirat und Jugendrat zur Entscheidung vor?          

20.         Waren dies die Pläne, die auch der LAG im Mai 2019 vorlagen, oder bereits die Planungen mit dem Skaterpark? Wenn es die bei der LAG ursprünglich eingereichten Pläne waren, dann hätte 2018 keine Zustimmung zu den nun diskutierten Plänen stattgefunden.

 

21.         Warum erfreut es Sie als Bürgermeister von Boppard offensichtlich, wenn die Landesdenkmalpflege den Rheinanlagen das Urteil ausstellt, aufgrund zahlreicher Eingriffe in den letzten Jahrzehnten nicht mehr das notwendige Potential für eine Unter – Schutz - Stellung durch die Denkmalpflege zu haben, während dies den Anlagen in Bingen und Bacharach zugesprochen wird?

22.         Sollten nicht aus dem Bescheid der Denkmalpfleger vermehrte Anstrengungen erwachsen, das noch verbleibende kulturelle Erbe durch die Stadt aufzuwerten?

23.         Wie stehen Sie als Bürgermeister  -  zumal als Mitglied im Landesdenkmalrat Rheinland-Pfalz - zu dem Anliegen, Boppard unter denkmalpflegerischen Aspekten wieder in die erste Kategorie aufsteigen zu lassen?

24.         Wie stehen Sie als Bürgermeister zu dem ausführlichen Gutachten des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, das Ihnen überstellt worden ist?

 

25.         Wie bewerten Sie die zahlreichen dort angeführten positiven Optionen für eine zeitgemäße und denkmalverträgliche Aufwertung der Rheinanlagen?

Den Skaterpark in Koblenz erachten Sie ganz offensichtlich als gelungen.  Die Stadt Koblenz hat den Skaterpark jedoch nicht an den Rhein oder in die Gartenanlagen hinter dem Schloss gelegt, sondern in einen eigenen Bereich vor dem Schlosspark und in der Nähe der Tiefgarage, wo genügend Raum vorhanden ist und keine weitere Bebauung besteht.

26.         Lässt sich für einen geeigneten Standort einer Skateranlage in Boppard demzufolge aus diesem Befund die Schlussfolgerung ableiten, dass man die Anlage nicht direkt in die Rheinanlagen, sondern in ein angrenzendes Gelände (Parkplatz) verlegt?

 

27.         Kann man der Jugend von Boppard, vertreten durch den Jugendrat,  vor dem Hintergrund der Fridays – for - Future Bewegung nicht ein Angebot unterbreiten, sich in den Bopparder Rheinanlagen mit einem eigenständigen Gartenprojekt zur Klimaveränderung und zum Artenschutz in den Generationenpark einzubringen?

28.         Wäre dies unter Umständen sogar zukunftsweisender und anspruchsvoller als ein Skaterpark ausgerechnet in den Rheinanlagen?

29.         Warum sehen Sie  in der Errichtung eines Skaterparks, der Versiegelung eines Teils der Rheinanlagen, dem Fällen von schattenspendenden Bäumen einen gelungenen Beitrag für den Rheinland – Pfalz - Tag und für die Buga 2029?

30.         Warum entwirft die Stadt Boppard nicht zunächst einen Masterplan für die gesamte Rheinallee gemäß dem Beschluss des Stadtrates von 2019, bevor sie durch gezielte Einzelmaßnahmen die Voraussetzungen für einen solchen Masterplan zerstört?

 

Auf die Beantwortung der Fragen im Sinne der Transparenz und einer Versachlichung einer mitunter emotionalen Debatte freuen sich sicherlich zahlreiche Bürger in Boppard, die sich an der Diskussion beteiligt haben oder sie interessiert verfolgen.

 

 

 

 

Anmerkung: Herr Bürgermeister Dr. Walter Bersch war so freundlich, alle Fragen umgehend und ausführlich zu beantworten. Aus Datenschutzgründen sind seine Antworten hier nicht eingestellt worden. Wie verweisen aber auf die Veröffentlichungen in der Presse, welche die Antworten des Bürgermeisters abdrucken wird.





Erklärung des Geschichtsvereins zur Entscheidung der Oberen Denkmalbehörde zu den Rheinanlagen vom 27. Oktober 2020

 

Die Entscheidung der Oberen Denkmalbehörde, dem Antrag des „Geschichtsvereins für Mittelrhein und Vorderhunsrück“ vom 20. Juni 2020 (die Rhein-Zeitung berichtete darüber) zur Prüfung des Denkmalwertes der gesamten Rheinanlagen einschließlich der Bebauung der Rheinanlagen nicht entsprechen zu können, stößt beim Geschichtsverein auf ein geteiltes Echo.

Die Bemühungen des Vereins und weiterer Bopparder Bürger, vor allem die Georg-Francke-Anlagen in ihrer Substanz als Landschaftsgarten vor weiteren bedenklichen Eingriffen zu bewahren, haben dadurch ohne Zweifel einen Rückschlag erlitten. Die Argumentation der Denkmalbehörde, in der Vergangenheit habe es in den gesamten Rheinanlagen, aber eben auch in den Georg-Francke-Anlagen, bereits zu viele negative Eingriffe in die einstmals vorhandene Substanz gegeben (Musikpavillon, Brunnenanlage mit neuer Platzgestaltung, Überbauung durch die blockhaft überdimensionierte Sporthalle des Kant-Gymnasiums, wüste Freifläche an der Stelle des alten Tennisplatzes, Änderungen in der Wegeführung), ist aber leider nicht von der Hand zu weisen. Gleichzeitig eröffnet die Stellungnahme der Denkmalbehörde aber auch Anreize, am Ziel einer denkmalverträglichen Weiterentwicklung der Rheinanlagen in Boppard festzuhalten. In diesem Sinne bescheinigte die Behörde den Georg-Francke-Anlagen eine hohe Aufenthaltsqualität, verbunden  mit einer lokalen geschichtlichen Bedeutung. Vergleichbaren Anlagen in Bingen und Bacharach komme aber eine deutlich höhere Qualität zu.

Der eher negativ und rückwärts ausgerichteten Entscheidung der Denkmalbehörde möchte der Geschichtsverein den positiven Blick auf das ohne Zweifel noch vorhandene reichhaltige kulturelle Erbe entgegenstellen, für dessen Erhalt man sich ungeachtet der Verluste in der Vergangenheit umso mehr einsetzen möchte. Diese optimistische Perspektive hat nicht zuletzt die Stellungnahme des Regionalverbandes Rhein–Lahn–Mosel des „Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz“ betont, die zahlreiche Vorschläge für eine denkmalverträgliche Weiterentwicklung der Bopparder Rheinanlagen enthält und die vom Geschichtsverein ausdrücklich begrüßt und nachhaltig unterstützt werden.

Zudem haben allein schon die umfangreichen Recherchen des Geschichtsvereins zur Antragstellung in Zusammenarbeit mit Bopparder Bürgern zahlreiche neue Erkenntnisse über die Historie der Rheinanlagen, den Georg-Francke-Parkanlagen und der bedeutenden Rolle des „Verkehrs- und Verschönerungsvereins 1872 e.V.“ (VVV) erbracht. Allein unter diesem Aspekt hat sich die Antragstellung bei der Oberen Denkmalbehörde als richtig erwiesen, wenngleich ihr der erhoffte Erfolg versagt geblieben ist.


Stellungnahme des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz
in: Rund um Boppard vom 30. Oktober 2020


Die Rheinpromenade zu Boppard – Entstehung und Gegenwart

Stellungnahme des Geschichtsvereins für Mittelrhein und Vorderhunsrück

Dr. Rainer Lahme

 

Vorbemerkung

 

Der Geschichtsverein hat im Juni dieses Jahres bei der Denkmalbehörde des Landes Rheinland-Pfalz einen Antrag gestellt, die Unter-Schutz-Stellung der Rheinanlagen in Boppard zu prüfen. Die Behörde hat den Eingang des Antrags bestätigt.

Warum hat sich der Geschichtsverein zu diesem Schritt entschlossen? Traditionell hat sich der Verein immer für den Erhalt der einmaligen Bopparder Rheinanlagen eingesetzt und bewegt sich daher auf vertrautem Terrain. Zudem haben die jüngsten Diskussionen über den geplanten Mehrgenerationenpark und den Abriss des alten Pavillons die Sorge verstärkt, dass die Rheinanlagen nachhaltig verändert und ihr einzigartiger Charakter  zerstört werden könnte. Ein herausragendes Element des kulturellen Erbes der Stadt steht demnach zur Disposition.

Der Geschichtsverein möchte sich aber nicht pauschal gegen eine Umgestaltung der Rheinanlagen wenden, sondern diese ganz im Gegenteil behutsam und im Einklang mit denkmalpflegerischen Überlegungen weiter entwickeln. Dabei soll es um die Ausarbeitung eines Gesamtplanes für die Rheinpromenade gehen, in die sich einzelne Vorhaben für Teilabschnitte der Rheinanlagen einordnen lassen. Denn es ist wenig zielführend, an einzelnen Abschnitten Projekte umzusetzen (Pavillon, Mehrgenerationenpark), bevor nicht eine Vorstellung für die gesamte zukünftige Rheinallee zumindest in Umrissen angedacht ist.

Entsprechend hatte der Stadtrat sich ja 2019 bereits für einen Gestaltungswettbewerb ausgesprochen, bevor dann einzelne Vorhaben in den Vordergrund gestellt worden sind. Es wäre schön, wenn sich der Bopparder Stadtrat stärker an seinen eigenen Beschlüssen orientieren würde, und nicht der zweite Schritt vor dem Ersten in Angriff genommen werden würde. Vom Stadtrat würden wir uns erhoffen, gemeinsam mit den Bürgern und mit großer Einmütigkeit über die Parteigrenzen hinweg eine Gesamtvision von Boppard, wie die Stadt in 20-30 Jahren aussehen soll (Grünflächen, Angebote für die Jugend, Verkehrsplanung und Parkplatzsituation, touristische Highlights) zu entwickeln und sich nicht weiter an einzelnen Projekten kontrovers abzuarbeiten. Andere Städte können das auch, warum nicht Boppard?

Das Ziel sollte es sein, die Rheinpromenade in Boppard mit ihrem im Bereich der Georg-Francke-Anlagen unübersehbaren Charakter als Landschaftspark zu einem besonderen Anziehungspunkt für die Buga 2029 werden zu lassen und den Planern der großen Gartenschau damit ein attraktives Angebot unterbreiten zu können.

 

Ausgangsthesen

Die Rheinpromenade zu Boppard ist als Parklandschaft am Rhein auf einer Länge von über 3 Kilometern von einzigartiger Qualität zwischen Bonn und Bingen.

Die Rheinanlagen waren in der Vergangenheit ein höchst beliebter Anziehungspunkt für den Rheintourismus und ein Erlebnis für Besucher aus dem In- und Ausland (Rheinromantik).

Die Bedeutung dieses kulturellen Erbes muss von den Entscheidungsträgern vor Ort wieder hinlänglich erkannt werden.

Gegenwärtig ist eher das Gegenteil der Fall. Die noch bestehenden Rheinanlagen werden als verpflichtendes Kulturerbe kaum gesehen und dienen eher als Projektionsfläche für modern erachtete Umbaumaßnahmen, die anderen Bestimmungen gelten (Musikveranstaltungen mit optimaler Bühne und Platzangeboten für zahlreiche Zuhörer, Verkehrskonzepte und Parkplatzangebote für den zunehmenden Autoverkehr, Gastronomie in den Außenbereichen). Freizeitangebote in den Rheinanlagen sind selbstverständlich ausdrücklich willkommen, sofern sie sich in den Charakter einer Parkanlage harmonisch einfügen.

Der Mehrwert einer intakten Parkanlage (Ruhe, Erholung, Baumbestände, Erhalt und Pflege der Pflanzenvielfalt, Artenschutz, traditioneller Erinnerungsort für zahlreiche Bürger, Steigerung der Lebensqualität für die Bevölkerung) bleibt ohne hinreichende Berücksichtigung und Wertschätzung in der momentan geführten Diskussion.

Die Rheinanlagen sind nicht durch einen einzigen Kraft- oder Gründungsakt entstanden. Siehe dazu die anschließende Chronologie der Entstehung der Rheinanlagen.

Die Rheinanlagen sind über einen langen Zeitraum mit Höhen und empfindlichen Rückschlägen (Weltkriege, Revolution des Verkehrsaufkommens, Straßenbau, Bahnlärm) entstanden. Sie haben ihr Gesicht auch immer wieder verändert, ohne in der Substanz aufgegeben worden zu sein.

Die Bopparder Rheinpromenade ist in verschiedene Abschnitte unterteilt, die jeweilig ein unterschiedliches Gesicht haben.

Die Rheinanlagen sind entstanden im Miteinander von VVV (Verkehrs- und Verschönerungsverein), der Stadtverwaltung, den jeweiligen Bürgermeistern und der Bevölkerung.

Sie sind das Resultat einer gemeinsamen Vision von Boppard als einem Zentrum für den einsetzenden Rheintourismus sowie einer gemeinsamen Vorstellung von einer „romantischen“ Stadt am Rhein.

Die noch heute gern verwendete Bezeichnung von Boppard als der „Perle am Rhein“ hat auch etwas mit seinen Rheinanlagen und seinem reichen kulturellen Erbe zu tun.

 

Boppard hat allerdings das Problem, dass zahlreiche überaus positive und zu würdigende Einzelmaßnahmen der letzten Jahre (Sanierung der Burg, Bau einer Stadthalle, Tiefgarage am Rathaus, laufende Sanierung des Karmelitergebäudes) sich noch nicht zu einem Gesamtentwurf über die Zukunft der Stadt verdichtet haben.

An diesem Problem krankt auch die gegenwärtige Diskussion über Umgestaltungspläne an der Rheinpromenade, insbesondere im Georg-Francke-Park.

 

Zur Chronologie der Bopparder Rheinanlagen

 

 

1848-1892      In der Amtszeit des Bürgermeisters Joseph Syrée erfolgt in mehreren Etappen die Aufschüttung der Mittleren Rheinanlagen. Dies bildet die Voraussetzung, um unter den nachfolgenden Bürgermeistern die Rheinanlagen nach oben und unten zu erweitern und dort überhaupt einen Landschaftspark errichten zu können.

VVV               Eine bedeutende Rolle bei der Gestaltung des Landschaftsparks im 19. Jahrhundert spielt der Verkehrs- und Verschönerungsverein Boppard, insbesondere dessen Vorsitzender Georg Francke.

                        Wichtige Etappen aus der Entstehungszeit des Parks lassen sich daher durch die Protokolle des VVV rekonstruieren. Die nachfolgenden Exzerpte aus den Protokollbüchern wurden von Herrn Kent Michaelis angefertigt, dem dafür herzlich gedankt sei.

Quelle:

(Neumann, Klaus-Peter: Aus der Geschichte des VVV Boppard. Die Vier Protokollbücher, bebildert in einem, von 1872 bis 1958 (Auszüge), Boppard 2012)

URL: https://www.yumpu.com/de/document/read/16006912/protokollbuch-des-vvv-boppard - 1872 - ev

 

 

• 1872 (S. 7): Beschüttung der Rheinanlagen mit einer Kieslage.

• 1873 (S. 12): Die Stadtverordnetenversammlung entschied sich für den Abbruch des „Eisbrechers“ und überließ die am äußeren Ende des Eisbrechers befindliche Kanzel dem VVV. Der Vorstand konnte zunächst keinen passenden Platz dafür finden. „[Da] von anderer Seite der Versuch gemacht ist auf Konservierung des Bauwerkes hinzuwirken, ob man vom historischen, wissenschaftlichen oder ästhetischen Standpunkt aus die Erhaltung wünscht, ist nicht bekannt geworden. Unzweifelhaft ist der sogenannte Eisbrecher nichts weiter als ein unschönes Stück einer alten Stadtmauer.“ [Anm.: Die Kanzel wird später an das Sandtor – zwischen dem Alumnat St. Michael und dem Ritter – Schwalbach – Haus – angebracht und befindet sich dort bis heute.]

• 1878 (S. 23): Der Zustand am Eisbrecher wird gerügt, zur Erhaltung der schönen Bleiche sollen die vielen dort stehenden Wagen und Karossen fortgeschafft werden. Die Treppe zur Kanzel wird wiederhergestellt und die Mauer mit Efeu bepflanzt.

• 1898 (S. 59 - 61): Der Apotheker Georg Francke wird zum Vorsitzenden gewählt. Es wird die Verschönerung der Eisbrech beschlossen (die Verhandlungen mit der Stadt und der Strombauverwaltung sollen hierzu wiederaufgenommen werden). Die Verschönerung ist für das nächste Jahr (1899) beschlossen „und die Rheinallee möglichst weiterzuführen.“

Die Stadt erklärt sich bereit „für das Auswerfen der Baumlöcher, ferner die erforderlichen Baum- und Zaunpfähle, Fichtenbäumchen, Grottensteine und Rasen zu liefern“ […]. „Als zur Anpflanzung geeignete Bäume und Sträucher werden nach längerer Erörterung gewählt: Vor dem Seminar, längs der Straße, rotblühende Kastanien (Aescul. Rubic.) auf 6 m Entfernung von einander zu setzen; vor diese längs des Leinpfades: Robinia neomexicana; längs der Zimmerplätze je eine Baumreihe von Ara [Acer] platanoid und Inglans [Juglans] regia. Der Zwischenraum zwischen den Pappeln und der Straße soll durch 3 Ulmen aufgefüllt werden. Zur Auffüllung des Platzes sollen verschiedenartige, zu verschiedenen Zeiten blühende Ziersträucher verwandt werden (u.a. rotblättrige Birke.); in der Mitte soll ein Platz frei bleiben für einen Springbrunnen oder ein größeres Zierbeet. Die Bäume an dem Dreieck vor den Pappeln sollen durch Gewinde von Kletterrosen und Clematis mit einander verbunden werden. Um die hässlichen Zimmerplätze einigermaßen dem Auge zu entziehen, wird eine Hecke von Thuja und Taxus genehmigt. Mit der Pflanzung soll noch in diesem Herbst begonnen werden. Herr Gärtner Niemeyer, der einen ungefähren Überschlag der Kosten gibt (für das Material an Pflanzen) wird mit Lieferung der betreffenden Bäume und Sträucher beauftragt. Zum Schutz der Anlage soll bis zu deren Anwachsen ein fester Drahtzaum [!] darum gelegt werden.“

• 1899 (S. 61): Unerwartet höhere Kosten für die Eisbrechanlage (Schwierigkeiten bei Erdarbeiten und durch die Strombauverwaltung) – Kosten 880 Mark. Der Platz für den Springbrunnen wird vorläufig bepflanzt. „Für Weiterführung der Allee über städtisches Gebiet hinaus ist vorläufig kein Geld vorhanden.“

• 1901 (S. 65): „Die Stadt soll ersucht werden, die Eisbrech-Anlagen in Verwaltung und Schutz zu nehmen.“

• 1904 (S. 72 - 74): Am Eisbrechtorbogen wurde Efeu gepflanzt. Das große runde Beet in der Eisbrechanlage soll mit Rosen bepflanzt werden. Die Bänke des VVV in der Rheinallee werden in Ölfarbe „modern-rot“ gestrichen. Außerdem soll mit der Stadt gesprochen werden, „man solle die Lager- und Zimmerplätze von dort [der Eisbrech-Anlage] weg verlegen und die Aufstellung von Karussellen dort nicht mehr gestatten, damit endlich etwas zur Verschönerung des Platzes geschehen kann. […] Es soll bei der Stadt beantragt werden: die Weiterführung der oberen Rheinallee, womöglich bis zum neuen Gymnasium; die erforderlichen Bäume will der Verschönerungsverein liefern; nach längerer Erörterung entschied man sich für Walnuss- und Ahornbäume.“

• 1905 (S. 74): „Es wird in Aussicht genommen den mittleren Teil des großen Rundbeetes [in den Eisbrech-Anlagen] mit niedrigen Rosen zu bepflanzen und die Girlanden-Rosen besser im Schnitt zu halten“. Absterbende Pappeln an der Eisbrech sollen ihrem Schicksal überlassen werden (anstatt sie zu fällen oder zu entästen), neugepflanzte Rüster [=Ulmen] und Nussbäume würden Ersatz bringen.

• 1906 (S. 76 - 78): „Bürgermeister Hay […] bittet den Verein um Mitwirkung bei der Weiterführung der Anlage von der Eisbrech nach dem Gymnasium. Die Versammlung ist der Ansicht: bei den schlechten Erfahrungen mit den Eisbrechanlagen könne man sich auf die neuen Anlagen ebenda seitens des Vereins nicht einlassen; die Stadt solle die Anlagen schaffen; der Verein erklärt sich bereit die erforderlichen Nuss- und Ahornbäume zu liefern; es wird dazu ein Höchstbetrag von 300 M bewilligt.“ Die Strombaubehörde genehmigt weitere Aufschüttungen aufwärts der Eisbrech, in einer Entfernung von 3,5 Metern von der Uferbefestigung auch die Schaffung von Anlagen. „Ein endgültiger Bepflanzungsplan kann einstweilen nur unter der Voraussetzung festgelegt werden, dass der Strombau dem pp. Henzler den ihm verpachteten Holzplatz […] kündigt und die Stadt darauf verzichtet, an der Eisbrech Plätze für Karusselle und mehr zu behalten; dann soll die Bleiche […] verlegt werden hinter die obere Spitze des jetzigen Tennisplatzes. Der letztere genügt aber den Ansprüchen nicht; deswegen soll ein neuer in der Nähe des alten geschaffen werden und zwar nach dem Willen der Mehrheit der Anwesenden unterhalb des jetzigen, an ihn anstoßend. Was denn die Bepflanzung selbst betrifft, so einigt man sich dahin: am Wege entlang wird eine Allee von Ahorn- oder Lindenbäumen angelegt, nach dem Rhein zu sollen Nussbäume in weiten Entfernungen von ca. 15 m gesetzt werden und zwar, um Eintönigkeit zu vermeiden, nicht in einer geraden Linie. Die zwischen den genannten Baumreihen entstehenden Flächen werden mit Rosen und Gesträuch bepflanzt, dessen Laubwerk in verschiedenen Tönen zu halten ist, zahlreiche Wege sollen die Flächen durchschneiden und gliedern. Die Verbindung der jetzigen mittleren Rheinallee und der Eisbrechanlagen wird erst dann durch eine Baumreihe oder -allee in Angriff genommen werden können, wenn die dort beabsichtigten Änderungen in der Uferanlage seitens der Strombaubehörde durchgeführt sind. Die anderen Arbeiten, besonders die Erdarbeiten sollen womöglich noch im Herbst begonnen werden.“

• 1907 (S. 78 - 80): Zu Ehren von Oberst Scheppe (langjähriger Vorsitzender und Mitbegründer des Vereins, vermachte dem Verein 500 Mark in seinem Testament) wird ein mehrere Zentner schwerer Stein (Kiesel-Konglomerat) mit Bronzeplatte in den Anlagen oberhalb der Eisbrech aufgestellt – „man müsse für die Ehrung den auffallendsten Platz, den in den neuen Anlagen wählen.“ Auch soll der Bleichplatz oberhalb der Eisbrech perspektivisch verschwinden. „Die Eisbrechanlagen fanden in der Versammlung allgemeinen Beifall“.

• 1908 (S. 81): „Die Anlagen an der Eisbreche wurden vollendet.“

• 1910 (S. 85): „Zur Verschönerung an der Eisbreche sei am Eingang ein eiserner Torbogen aufgestellt und daneben Winden angepflanzt worden, so dass das Eisengerüst später wohl unter dem Grün und den Blüten verschwinden werde. Sodann wird die Anlage eines Brunnens auf dem Orgelbornbach vor dem Alumnat besprochen.“

• 1911 (S. 86 - 87): Im Vorjahr (1910) konnten zahlreiche Maßnahmen in der Eisbrech-Anlage und den Anlagen bis zur Gymnasiumsstraße durchgeführt werden. „Am Eingange zu den Anlagen wurde ein eiserner Zierbogen errichtet und dieser mit Kletterpflanzen bepflanzt. Viele neue Ruhebänke und Wegtafeln wurden an den Spazierwegen angebracht und die alten in guten Zustand versetzt.“ Die Rheinanlagen sollen rheinaufwärts erweitert werden. Es wird vor einem Überpflanzen der Rheinanlagen gewarnt – wenn die vielen Bäume groß wären, ähnele es einem Wald, der das Stadtbild verdecke. Der Vorsitzende stellt dem entgegen, dass viele Bäume nur zum temporären Auffüllen gepflanzt seien (Tannen, Birken, etc.) und später gefällt würden.

• 1912 (S. 88): Es wird um Herstellung eines Pavillons in den Oberen Rheinanlagen gebeten. „[Gärtner] Niemeyer verteidigt noch die Baumpflanzungen in den Anlagen, die keineswegs zu dicht seien.“ Im Vorjahr (1911) „wurden vom Verein wieder bedeutende Mittel für Zierbäume, Sträucher und Blumen zum weiteren Ausbau der Eisbrechanlagen aufgewandt und die Anlagen fast bis nach St. Martin durchgeführt. Besonders wurden viele schöne Stauden beschafft und diese längs des Leinpfades, sowie in den Anlagen an der unteren Rheinallee, gepflanzt. Mehrere neue Ruhebänke und Wegtafeln wurden an den Spazierwegen angebracht und die meisten Bänke mit weißen Emaillelack gestrichen.“

• 1913 (S. 90): Auswärtige Gärtner wurden für die Rheinanlagen hinzugezogen, da bei den hiesigen Gärtnern die Auswahl [an Pflanzen?] zu gering sei.

• 1914 - 1920 (S. 91 - 92): Während des Ersten Weltkriegs haben die Rheinanlagen einen schönen Eindruck gemacht und zurückgekehrten Soldaten Erholung geboten. Nach Kriegsende hätten die Besatzungsmächte in den Anlagen schwer gewütet (stinkende Flüssigkeiten gelagert, Umfassungen und Bäume umgefahren, eine Entlausungsanstalt für Pferde eingerichtet etc.). Ein großes Hochwasser im Winter 1919/20 hat ebenfalls zu Schäden geführt, die Baumkronen haben im Wasser gestanden. Der VVV tagt erstmals seit dem Weltkrieg und gibt der Wiederherstellung der Rheinanlagen erste Priorität, etwa der Reparatur der Naturgeländer.

• 1921 (S. 93): Das Wiederherstellen der Rheinanlagen war erfolgreich.

• 1926 (S. 102 - 103): Der VVV-Vorsitzende Georg Francke tritt aus gesundheitlichen Gründen zurück. Beim Rückblick auf seine Tätigkeit hebt er die Anlegung der Oberen Rheinanlagen (ab 1898) hervor. Auf gleicher Sitzung wird angeregt, „einen genauen Plan der oberen Rheinanlagen mit namhafter Bezeichnung der einzelnen Bäume und Sträucher anzufertigen und die Bäume usw. mit kleinen Schildchen zu versehen, die deren botanische Namen als Aufschrift erhalten sollen. Der neue Vorsitzende, Herr Busch, versprach all diese Anregungen zu verarbeiten“.

• 1926 (S. 104): Ein Odenwaldfindling (Schenkung der Firma Riedlinger in Auerbach an der Bergstraße) wird in den Oberen Rheinanlagen aufgestellt.

• 1926 (S. 105): Tod Georg Franckes, im Nachruf werden seine besonderen Verdienste erwähnt: „während 25 Jahren Unvergängliches geschaffen. Wenn Boppard heute die ‚Perle am Rhein‘ sich nennen darf, so verdankt sie diesen stolzen Beinamen nicht zuletzt dem unermüdlichen Wirken des Verstorbenen, um die Hebung des Landschaftsbildes unserer Stadt.“ Eine eigens für die Rheinanlagen zuständige Kommission des Vereins (aus Herrn Grube, Niemeyer, Clotten und Oberförster Wagner) wird erwähnt. „Die Vorarbeiten zur Herausgabe eines Planes der Anlagen und zur Bezeichnung der seltenen Bäume sind im Gange, sodass im nächsten Vereinsjahr mit der Fertigstellung derselben gerechnet werden kann.“

• 1928 (S. 107 - 108): Beginn der Umgestaltung der Unteren Rheinanlagen am Gedeonsdenkmal, Erweiterung um eine Platanenreihe. „Der Plan der Anlagen ist soweit fertiggestellt. Über die Art der Bezeichnung seltenerer Bäume muss sich die Hauptversammlung schlüssig werden.“ Es werden Nistkästen für Vögel in den Rheinanlagen aufgehängt. „Nach langer Erörterung wird beschlossen, die wertvolleren Bäume und Ziersträucher in den Rheinanlagen durch Anbringung von Emailleschilder mit ihren botanischen Namen zu versehen.“

• 1929 (S. 111): Erteilung der deichpolizeilichen Genehmigung zur Weiterführung der Unteren Rheinanlagen. „Die Bezeichnung der wichtigsten Bäume in den Oberen Rheinanlagen mit Porzellanschildern wurde durchgeführt. Durch den strengen Winter haben auch die hiesigen Anlagen sehr gelitten und sind manche Pflanzen eingegangen. Im Einvernehmen mit der Stadt wurden in den Anlagen zehn Nistkästen für den Vogelschutz ausgehängt.“ Aufstellung von 10 Papierkörben, die viel genutzt werden.

• 1932 (S. 124): „An der großen Pappel in den Rheinanlagen soll ein Aussichtsplateau geschaffen werden für die Rheinbetrachtung.“

• 1938 (S. 142): Aufbringen einer roten Asphaltdecke in der Rheinallee. Verlegung der Badeanstalt an den Sandplatz bei der Eisbrech.

• 1951 (S. 172): Entscheidung des Stadtrats zu einem gänzlichen Parkverbot in den Rheinanlagen. Aufschütten der Rampe am Kronentor.

• 1954 (S. 190): „So sind laufend die Gärtner damit beschäftigt, die Rheinanlagen, die nach dem Urteil zahlreicher Gäste mit zu den schönsten am Rhein zählen, zu verbessern.“ Erörterung der Instandsetzung des Musikpavillons in den Rheinanlagen.

• 1956 (S. 197): „150 Ruhebänke wurden in den Rheinanlagen und in Stadtnähe aufgestellt […]. Erstmalig fanden seit Kriegsbeginn wieder Promenadenkonzerte in den Rheinanlagen statt. Der Musikpavillon wurde wieder neu errichtet.“

 

Abschied von einem Bopparder Kulturerbe

Ein persönlicher Kommentar von Dr. Rainer Lahme

 

„Nirgendwo am Mittelrhein gibt es eine schönere Flaniermeile“, schreibt der Redakteur der Rhein-Zeitung in seinem Bericht vom 26. März 2016 über den Beschluss des Stadtrates, am Rheinufer einen mit Leader- Geldern geförderten Welterbe-Generationenpark zu errichten. Integriert werden sollte in diese Anlage auch ein Skaterpark. So hatte es der Stadtrat mit großer Mehrheit beschlossen. Nun liegen die detaillierten Planungen vor, und der damals gefasste Grundsatzbeschluss offenbart bei der Umsetzung seine Tücken und hat das Potential, das Gesamtwerk der Rheinpromenade in ihrem südlichen Abschnitt nachhaltig zu zerstören.

Diese Stellungnahme ist kein Beitrag zur Debatte über einen geeigneten Standort für eine Skateranlage in der Stadt Boppard. Es ist auch kein Votum für die Schaffung einer „jugendfreien“ Zone am Rheinufer. Der Kommentar ist geschrieben aus einer anderen Perspektive, die im öffentlichen Diskurs in der Stadt und den zuständigen Gremien ganz offenbar nur noch in einer Randzone der öffentlichen Wahrnehmung vorhanden ist.

Es ist auch kein Beitrag zur Verhinderung eines von den gewählten Vertretern der Stadt Boppard (Stadtrat, Ortsbeirat Boppard) mit großer Mehrheit verabschiedeten Vorhabens. Demokratische Verfahren und Entscheidungen müssen akzeptiert werden, gerade auch von der Minderheit.  Es ist aber ein eindeutiges Plädoyer für den Erhalt des kulturellen Erbes am Mittelrhein. Zu prüfen bleibt daher die Welterbe-Verträglichkeit des Welterbe-Generationenparks in der vorliegenden Planung durch die Stadt Boppard in einem ganz bestimmten Abschnitt. Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht nicht um die Verhinderung des begrüßenswerten Gesamtprojekts des Welterbe-Generationenparks, dem der Verfasser dieser Zeilen in den Leader-Sitzungen selbst zugestimmt hat. Aber  bauliche Veränderungen und Planungen in einem Welterbe haben sich an besondere Kriterien zu halten, um den Welterbe-Status nicht zu gefährden. Wenn man dies nicht will, sollte man sich ehrlich machen, und auf den Welterbe-Status verzichten, statt ihn unter Beton zu versiegeln.

Diese Welterbe-Kriterien werden gegenwärtig in einem Management-Plan für das Welterbe Oberes Mittelrheintal erarbeitet. Inwieweit diese Welterbe-Verträglichkeit in den Plänen der Stadt Boppard bereits berücksichtigt worden ist, ist unbekannt. Nützlich für eine Diskussion wäre es, wenn die konkreten Planungen, die auch dem letzten Beschluss des Ortsbeirats Boppard in dieser Angelegenheit zugrunde liegen, auch für die Bürger einsehbar und etwa auf der offiziellen Homepage der Stadt Boppard veröffentlicht werden würden. Denn Transparenz des Verfahrens ist ein Gebot der Stunde, das immer wieder eingefordert wird.

 Was beim gegenwärtigen Stand der Diskussion bleibt, ist ein Gefühl von Abschied und Verlust. Denn verloren geht mit diesem Projekt, wenn es denn umgesetzt wird,  der ursprüngliche Charme der historischen Rheinpromenade, damit zugleich ein Vorzeigeobjekt für das reiche kulturelle Erbe der Stadt und ein Aushängeschild für das Welterbe Oberes Mittelrheintal. Die Platzierung der Skateranlage mitten im südlichen Abschnitt der Rheinanlagen, die Entfernung von Bäumen und die Errichtung einer großen Kletter-und Lärmschutzwand parallel zum Rhein verändern nicht nur das Gesicht der Rheinanlagen, sondern sie zerstören es.

Den Befürwortern des Projektes in der nun vorliegenden Planung sollte man vielleicht keinen Vorwurf machen. Denn wir alle haben uns von der Existenz eines allgemein gültigen Begriffs von Kultur verabschiedet und daher höchst unterschiedliche Ansichten darüber, was nun Kultur ist, und was es als Kulturerbe zu bewahren gilt. Wenn man keine Kenntnisse über vergangene Traditionen, über Baukultur und historische Zusammenhänge für notwendig erachtet oder wertschätzt, wenn der Gedanke an das kulturelle Erbe keinerlei positive Gefühle mehr auslöst, dann kann man dieses Kulturgut auch nicht erhalten und verteidigen wollen. Wer sagt uns dann, dass eine  Betonpiste für einen Skaterpark und eine wie auch immer gestaltete Lärmschutzmauer weniger bedeutsam sind als ein alter Baumbestand und die gewachsene Struktur einer Parkanlage, verbunden mit der Erinnerung an das Boppard aus einer unbekannten Vergangenheit?

Vielleicht existiert auch eine Bürgerschaft, die sich aus vielerlei nachvollziehbaren Gründen an der öffentlichen Diskussion nicht mehr beteiligen möchte oder dies aufgrund der veränderten Medienlandschaft nicht mehr kann? Der Tradition verhaftete Vereine mit einer entsprechenden Altersstruktur leiden unter diesem Trend und haben daher zunehmend Probleme, sich im Diskurs die notwendige Aufmerksamkeit zu verschaffen.


So schön war Boppard

Die Bopparder Rheinpromenade in den frühen Morgenstunden






Impressionen aus Boppard am Rhein

Stadtbild von Boppard im 19. Jahrhundert

St. Severus aus einer älteren Ansicht

Verschiebung der Mitgliederversammlung


Unter den momentanen Umständen der Corona-Krise ist es nicht zu verantworten, eine Mitgliederversammlung durchzuführen. Dies gilt erst recht für einen Verein mit zahlreichen älteren Mitgliedern.
Wir hoffen, im Jahr 2021 unsere traditionellen Vorträge im Hotel Bellevue wieder durchführen zu können.

Im Anschluss an einen Vortrag werden wir dann auch zu einer Mitgliederversammlung einladen.


Für den Vorstand
Dr. Rainer Lahme
Vorsitzender

Kurzvorstellung


Der Geschichtsverein für Mittelrhein und Vorderhunsrück macht das reiche historische und kulturelle Erbe unserer Region lebendig und erfahrbar. Nicht umsonst gehört das Mittelrheintal seit 2002 zu den UNESCO Welterbestätten.
Der Verein veranstaltet in regelmäßigen Abständen Vorträge über historische und kunsthistorische Themen, die in einem Zusammenhang mit unserer Region stehen. Dazu engagieren wir uns für den Erhalt des historisch-kulturellen Erbes in unserer Region.
Als kleinen Beitrag zur Wissenschaft fördern wir Schriften und Darstellungen, die sich mit der Geschichte und Kultur am Mittelrhein und Vorderhunsrück auseinandersetzen. In regelmäßigen Abständen erhalten die Mitglieder unseres Vereins unentgeltlich eine Publikation zur Landes-, Orts oder Kunstgeschichte. Gegenwärtig bereiten wir eine Veröffentlichung zur Geschichte des "Templerhauses" in Boppard vor.


60 Jahre Geschichtsverein für Mittelrhein und Vorderhunsrück

 

Das 19. Jahrhundert war die Zeit, in der sich die Gesellschaft herausbildete, die uns auch heute noch mehr oder weniger vertraut ist. Die streng hierarchisch geordnete Welt des 18. Jahrhunderts verschwand allmählich, und das aufsteigende Bürgertum löste Schritt für Schritt den Adel ab. Dies alles geschah nicht ohne Friktionen und gewaltige Umbrüche, für die bis heute die Französische Revolution steht. Vereine spielten bei der Transformation von der ständischen zur bürgerlichen Gesellschaft eine gewichtige Rolle. Das 19. Jahrhundert wurde zum Jahrhundert der Vereine: wissenschaftliche Vereine, Kunst- und Musikvereine, berufliche und wirtschaftliche Vereine, Sänger- und Turnvereine, Wohltätigkeitsvereine, politisch und religiös ausgerichtete Vereine. Waren zahlreiche Menschen zuvor - oft unfreiwillig – in Zünften organisiert oder gehörten durch Geburt bestimmten Standesorganisationen an, waren Vereine vom Prinzip der Freiwilligkeit und der Gleichberechtigung getragen: Vereinen konnte man ohne Rücksicht auf Geburt und Stand angehören, allein aufgrund von Bildung und Leistung, und es gab die Möglichkeit, auch wieder auszutreten. In den Vereinen trafen und organisierten sich Menschen verschiedener Stände, und sie hatten alle die gleichen Rechte und Pflichten, die allein durch die Vereinssatzungen vorgegeben waren. Vereine konnten aber auch zu politischen Instrumenten werden und in Konflikt mit der staatlichen Obrigkeit geraten und mit Verboten belegt werden. Dies galt in der Regel aber nicht für die zahlreichen Kunst- und Geschichtsvereine, denen es ganz im Sinne des sich entwickelnden Bildungsbürgertums des 19. Jahrhunderts um die Vermittlung von Wissen und Bildung ging.

In diesem Sinn kann man auch den Geschichtsverein für Mittelrhein und Vorderhunsrück als einen „bürgerlichen Verein“ bezeichnen. Dies macht allein ein Blick auf die Berufe der Gründungsmitglieder des 1958 ins Leben gerufenen Vereins deutlich: Lehrer, Landrat, Professor, Major a.D., Oberstudiendirektor, Studienrat, Sparkassendirektor, Bürgermeister usw. Bemerkenswert ist auch, dass sich nur drei Frauen unter den Gründungsmitgliedern befinden, eine Tendenz, die sich bis zur Gegenwart fortgesetzt hat, denn in der Regel waren nur wenige Frauen im Vorstand aktiv in die Vereinsarbeit eingebunden.

Gegründet wurde der Verein am 14. Februar 1958 auf Initiative des Bürgermeisters der Stadt Boppard, Dr. Stollenwerk. Es entstand die Kreisgruppe des Vereins für Geschichte und Kunst des Mittelrheins. Da die Kreisgruppe selbständig agieren sollte und dies in der Folgezeit auch tat, ohne dass es zu Konflikten mit dem Hauptverein kam, kann man also durchaus 1958 als die Geburtsstunde des Geschichtsvereins bezeichnen. Als Vereinssatzung übernahm die Kreisgruppe die Satzung des Koblenzer Hauptvereins. Entsprechend dem bürgerlichen Charakter des Vereins war es folgerichtig, dass der Oberlandesgerichtspräsident a.D. Deynet zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde, der die Geschicke des Vereins bis 1971 leitete.

Alle Gemeinden und Schulen aus der Region sollten dem Verein nach Möglichkeit beitreten. Mitglieder wurden gezielt angesprochen und für den Verein gewonnen. Der Jahresbeitrag lag bei 8 DM, verbunden mit dem Anspruch auf ein Jahrbuch. Daneben gab es die Option, als Mitglied ohne Stimmrecht für 3 DM dem Verein beizutreten, allerdings ohne Anspruch auf die Jahresgabe. 1958 hatte der Verein bereits über 100 Mitglieder, davon 67 mit dem Anspruch auf ein Jahrbuch, und bis 1976 stieg die Anzahl der Mitglieder auf mehr als 200. Rasch wurden die Erkundungs- und Bildungsfahrten in die nähere Umgebung aufgenommen, wobei man sich zunächst auf den Kreis St.Goar konzentrierte. Die Ausflüge sollten alle zwei Monate stattfinden, und an diesen ehrgeizigen Plan hat man sich auch gehalten! Wert gelegt wurde aber auch auf einen Aspekt, den die Vereine bereits im 19. Jahrhundert auf ihre Agenda gesetzt hatten: Geselligkeit wurde ausdrücklich gewünscht und die „Kaffeetafeln“ gehörten bald zum unverzichtbaren Bestandteil bei Fahrten und Vorträgen, eine Tradition, die sich bekanntlich bis in die heutigen Tage erhalten hat. Aus den Vereinsangehörigen sei, so Dr. Stollenwerk in einem späteren Manuskript, „wirklich eine Schar von Freunden geworden“.

Als Nachfolger von Oberlandesgerichtspräsident a.D. Deynet stellte sich in den Jahren von 1971 bis 1975 Dr. Stollenwerk dem Verein zur Verfügung. Neben seiner administrativen Erfahrung und einem dichten Netzwerk an persönlichen Kontakten prägten zwei Eigenschaften seine Tätigkeit: zum einen verfügte er als anerkannter Heimatforscher über ein enormes Wissen, und zum anderen entwickelte er eine große Leidenschaft für die akribische Arbeit in den Archiven, vor allem im Landeshauptarchiv in Koblenz. Nachgelassene Notizen und eine Diasammlung, die er dem Verein vermachte, zeugen noch immer von seiner rastlosen und überaus ertragreichen Tätigkeit im Dienst der Erforschung unserer Region.

Gleichzeitig mit der Wahl von Dr. Stollenwerk verselbständigte sich der Verein mit dem Datum des 13.11. 1971 und wurde als Geschichtsverein für Mittelrhein und Vorderhunsrück e.V. in das Vereinsregister eingetragen. Zugleich gab sich der Verein eine Vereinssatzung, die bis auf kleine Veränderungen bis zum heutigen Tag Gültigkeit besitzt. Mit einiger Berechtigung kann man daher auch 1971 als das „zweite“ Gründungsdatum des Geschichtsvereins bezeichnen.

Dennoch gestaltete sich das entstehende Vereinsleben nicht ohne kleinere Probleme und einem sorgenvollen Blick in die Zukunft. Bereits 1976 beklagte Dr. Stollenwerk, dass das „Alter der Mitglieder überdurchschnittlich hoch“ sei und es dem Verein nicht gelungen sei, „zahlreiche jüngere Mitglieder anzuwerben“. Zudem hatte Dr. Stollenwerk bereits zum Zeitpunkt seiner Wahl zu Protokoll gegeben, dass „dies nur eine vorübergehende Lösung sein könne“ und es im Interesse des Vereins darum gehen sollte, „jüngere Kräfte für die Leitung zu interessieren“. Doch erst im März 1975 konnte er seinen Wunsch verwirklichen, als mit dem Studiendirektor Dr. Mißling ein Nachfolger als Vorsitzender gewählt wurde, während der scheidende Vorsitzende zum Ehrenmitglied gewählt wurde.

In den langen Jahren seiner Tätigkeit als Vereinsvorsitzender weitete Dr. Mißling die Aktivitäten des Geschichtsvereins noch einmal weiter aus. Die Fahrten und die bewährten Vorträge, für die immer wieder herausragende Referenten zu zahlreichen historischen Themen gewonnen werden konnten, wurden erfolgreich fortgesetzt. Zunehmend wurden aber nun auch ferner liegende Ziele und Museen angesteuert, und die großen Studienreisen des Vereins nach Rom, Neapel, in die Provence, nach Florenz und Nancy, Sizilien, ins Elsass, in die damalige DDR, nach Amboise, Paris, an die Loire, nach Lothringen, Südtirol und Ungarn erweiterten den Aktionsradius des Vereins. Intensiviert wurde auch die Herausgabe und Betreuung wissenschaftlicher Projekte. Die drei von Dr. Mißling herausgegebenen Bände zur Geschichte der Stadt Boppard sind bis heute ein unverzichtbares Grundlagenwerk. Dies gilt im gleichen Maße für die 4 Bände des von Dr. Michael Frauenberger zu verantwortenden Bopparder Bürgerbuchs und das Werk von Karl-Josef Burkard und Hildburg-Helene Thill „Unter den Juden. Achthundert Jahre Juden in Boppard“. Gerade die Herausgeberschaft des Geschichtsvereins für dieses Buch zeigte, dass der Verein gewillt war, sich auch mit schwierigen Themen der Geschichte Boppards wissenschaftlich auseinander zu setzen.

Überhaupt kann man sagen, dass der Geschichtsverein auch vor strittigen Beiträgen und Stellungnahmen zu aktuellen Entwicklungen in Boppard nicht zurückschreckte. So erhob er immer dann seine Stimme in der örtlichen Presse, wenn es um die Bewahrung des kulturellen Erbes der Stadt ging. Die Aufmerksamkeit richtete sich insbesondere auf den fortschreitenden Verfall der Abtei Marienberg und die Sorge, dass sich die Öffentlichkeit in Boppard an diesen schleichenden Prozess im Laufe der Jahre zu gewöhnen schien.

Im Mai 1973 war es daher nicht zufällig der Geschichtsverein, der den Festakt 850 Jahre Marienberg gestaltete und damit auch an die bedeutende mittelalterliche Geschichte der Stadt erinnerte. 1976 folgte die Ausstellung zum Thema „Die Kirche St. Severus“. Eine umfangreiche Dia-Sammlung zur St.Severus-Kirche gehört noch heute zum archivalischen Bestand des Geschichtsvereins.

Der Verein entwickelte sich in den Jahren der „Ära Mißling“ ohne Zweifel zu einer Instanz im kulturellen Leben der Stadt Boppard. Nicht alle Einwürfe des Vereins und seines Vorsitzenden fanden ungeteilte Zustimmung, manche stießen auf Widerspruch, aber der Verein wurde gehört.

Der Tod des Vorsitzenden im Jahr 2007, der bis zuletzt seine Schaffenskraft in den Dienst des Vereins gestellt hatte, bedeutete daher ohne Zweifel eine Zäsur in der Historie des Vereins. Doch stand mit seiner Frau Christiane Mißling eine  „natürliche“ Nachfolgerin zur Verfügung. Die studierte und überaus versierte Germanistin hatte ihren Mann bereits seit langen Jahren unterstützt, bei vielen Projekten des Vereins mitgewirkt und war mit den inneren Strukturen des Vereinslebens bestens vertraut. Daher konnte der Verein mit Frau Mißling als Vorsitzende (seit 2007) seine Tätigkeit auf allen beschriebenen Feldern nahtlos fortsetzen.

Nach dem frühzeitigen Tod von Frau Mißling 2012 geriet der Verein allerdings in eine schwierige Lage. Dies hatte auch damit zu tun, dass die Vereinsstrukturen in den  Jahren der „Ära Mißling“ sehr stark auf den jeweiligen Vorsitzenden ausgerichtet worden waren. Lange Monate suchte der geschäftsführende Vorstand nach einem neuen Vorsitzenden. Durch die überraschende Kandidatur und Wahl des Historikers Dr. Lahme am 27. April 2013 zum neuen Vorsitzenden konnte der Verein seine gewohnten Aktivitäten wieder aufnehmen. So übernahm der Geschichtsverein 2017 das umfangreiche Zeitungsarchivs eines privaten Sammlers aus Holzfeld, das für die regionale Heimatforschung sicher noch als Grundlage der einen oder anderen Darstellung dienen wird. Unübersehbar war aber auch, dass das „Goldene Zeitalter“ des Vereins der Vergangenheit angehörte. Die Altersstruktur des Vereins führte zu Einschränkungen bei den Fahrten, und neue Mitglieder konnten nicht ausreichend hinzugewonnen und für die Vereinsarbeit motiviert werden. Das allgemeine gesellschaftliche Umfeld, an dem viele Vereine zu zerbrechen drohen, wirkte sich eben auch auf den Geschichtsverein aus. Geselligkeit wird eben nicht mehr - wie im 19. Jahrhundert und auch noch im 20. Jahrhundert – durch die persönliche Begegnung im angestammten Verein gesucht. Sie findet eher individuell im Kontakt mit dem Internet oder über die Kommunikationsmöglichkeiten des Handys statt.

In seinem kurzen Rückblick auf die Geschichte des Vereins am 10. März dieses Jahres bedauerte Dr. Lahme diese alle Vereine mehr oder weniger betreffende Entwicklung, wies aber zugleich auf die weiterhin bestehende Existenzberechtigung eines Geschichtsvereins in einer Zeit hin, die sich zunehmend von ihrer eigenen Vergangenheit abgekoppelt habe und oftmals nur mehr in der Gegenwart bestehe. Die Antwort auf den Verlust der Geschichte sei aber eindeutig und bedeute gerade für einen Geschichtsverein eine große Herausforderung, die ansonsten kaum jemand wahrnehmen würde.

Als Kulturträger am Mittelrhein und Vorderhunsrück blicke der Verein auf eine sehr erfolgreiche Tätigkeit zurück, und ohne diesen Verein wäre das kulturelle Leben in der Region mit Sicherheit ärmer gewesen. Wer zudem nicht wisse, woher er komme, der werde auch kaum wissen, wohin er zukünftig gehen solle. In einer Welt zunehmender Globalisierung sei geistige Orientierung, und das heiße auch historische Orientierung, mehr denn je ein Erfordernis erstes Ranges. Der Geschichtsverein habe diese Aufgabe in der Vergangenheit angenommen, und er sollte dies auch in der Zukunft weiter tun.

Darüber hinaus gelte: Bildung, und das bedeute auch immer wieder historische Bildung, müsse sich nicht rechtfertigen, sie sei sich selbst genug. Bildung müsse nicht nützlich sein, sie sei ein Selbstzweck, und sie könnte sogar Glücksmomente freisetzen und für ein erfülltes Leben geradezu sinnstiftend wirken. In diesem Sinn stehe der  Geschichtsverein in der Tradition der Aufklärung und des 19. Jahrhunderts, als die Geschichtswissenschaft in der Blüte ihres Ansehens gestanden habe.

Ungeachtet eines schwieriger gewordenen gesellschaftlichen Umfeldes habe daher auch der Geschichtsverein 60 Jahre nach seiner Gründung weiterhin eine wichtige Aufgabe in der Region am Mittelrhein und Vorderhunsrück zu erfüllen.

Text: Dr. Rainer Lahme